Zwei Prüfmethoden mit verschiedenen Stärken
Automatisierte und manuelle Barrierefreiheitstests sind keine Konkurrenten. Sie beantworten unterschiedliche Fragen. Ein automatischer Scan prüft viele Seiten schnell nach festen technischen Regeln. Eine manuelle Prüfung untersucht, ob echte Menschen Inhalte und Funktionen sinnvoll nutzen können. Gute Qualität entsteht durch die Verbindung beider Methoden.
User-Aid öffnet Seiten in einem Headless Browser. Das ist ein Browser ohne sichtbares Fenster, der moderne Websites wie ein normaler Browser lädt. Danach prüft Axe core den aufgebauten Seiteninhalt. Dadurch können auch viele Inhalte erfasst werden, die JavaScript erst beim Laden erzeugt. Der Scan dokumentiert gefundene Probleme mit Regel, betroffenen Elementen und technischem Kontext.
Automatisierung ist besonders nützlich für wiederholbare Regeln. Typische Beispiele sind:
- Bilder ohne Alternativtext
- Formularfelder ohne programmatisch erkennbaren Namen
- unzulässige oder falsch verschachtelte ARIA-Attribute
- bestimmte Farbkontraste, wenn Vordergrund und Hintergrund berechnet werden können
- doppelte IDs und einige fehlerhafte Beziehungen
- leere Überschriften, Schaltflächen oder Links
- fehlende Sprachangabe im HTML-Dokument
- bestimmte Probleme in Listen, Tabellen und Landmarken
Ein Fund ist ein konkreter Hinweis, aber nicht automatisch ein vollständiges Urteil über die ganze Seite. Manche Regeln liefern außerdem Ergebnisse, die fachlich geprüft werden sollten. Kontext, Design und der Zweck eines Elements bleiben wichtig.
Was automatische Tests nicht entscheiden können
Das W3C weist bei der Auswahl von Evaluierungswerkzeugen darauf hin, dass Werkzeuge allein nicht bestimmen können, ob eine Website barrierefrei ist. Viele Erfolgskriterien brauchen menschliches Urteilsvermögen. Es gibt deshalb keine ehrliche feste Prozentzahl, die beschreibt, wie viel jeder Scanner abdeckt.
Ein Tool kann zum Beispiel erkennen, dass ein Bild einen Alternativtext hat. Ob dieser Text den Inhalt passend und knapp erklärt, muss ein Mensch beurteilen. Ebenso kann eine Überschriftenstruktur technisch gültig sein, obwohl die Gliederung inhaltlich verwirrend bleibt.
Manuelle Prüffelder umfassen unter anderem:
- vollständige Bedienung mit der Tastatur, einschließlich sichtbarem Fokus
- sinnvolle Fokusreihenfolge in Menüs, Dialogen und Formularen
- Screenreader-Ausgabe und verständliche Namen, Rollen und Zustände
- Qualität von Alternativtexten und Beschriftungen
- verständliche Fehlermeldungen und Hilfe bei Eingaben
- Untertitel, Audiodeskription und Medienalternativen
- Verhalten bei Zoom, Textvergrößerung, Umbruch und kleiner Ansicht
- verständliche Sprache, klare Anweisungen und konsistente Navigation
Auch dynamische Abläufe brauchen Aufmerksamkeit. Öffnet ein Dialog an der richtigen Stelle? Bleibt der Fokus darin? Wird nach dem Schließen ein sinnvoller Ausgangspunkt erreicht? Solche Fragen sind mit einem isolierten Regelscan nur begrenzt zu beantworten.



